Bea Von Malchus

Book & Cook - Ausgabe 1

Schon im Mantel, da lese ich: „2016 ist das Jahr des Affen! - Hüte Dich vor riskanten Kaufentscheidungen!“ Hups! Das war knapp, denn ich wollte mir eben statt Frühstück einen Maserati kaufen gehen. Dann bleib ich halt zu Hause und investiere in meinen Geist. Und danach kochen wir was Schönes!

Book

Anthony Doerr ist ein Dichter, ganz ohne Haare auf dem Kopf, der in Idaho lebt und eindringlich schaut, wie ein ernstes, sportliches und trotzdem weises Kind. Sein Roman „All the light we cannot see“ ist enorm preisgekrönt worden. Darin verflechtet Doerr zwei Schicksale kunstvoll miteinander: das eines blinden Mädchens aus Paris, das alles über Muscheln weiß und das eines blutjungen deutschen Soldaten mit Waisenhaus- und Napola -Vergangenheit, der einfach alles vom Funk und seinen Wellen versteht.

Die Geschichte spielt im 2. Weltkrieg und spitzt sich in St. Malo zu, das gerade von den Deutschen besetzt ist. Man bangt mit den beiden sensiblen Protagonisten um ihr Leben und folgt ihnen entrückt und - zückt in ihre jeweiligen, besonderen Erlebniswelten. Dass ausgerechnet ein amerikanischen Romanautor mir zeigt, wie sich eine nationalpolitische Lehranstalt wohl von innen, für die Zöglinge angefühlt haben mag, ist irritierend und dann auch wieder nicht. Das Besondere an Doerr ist sein Blick: Feine, neugierige Augen schauen da, die Schönheit fassen können und auch vor dem Schlimmsten nicht ausweichen, - Augen, die sich weder verhärten noch verschließen, Augen, die weich und weise auf den Grund blicken.

Gleich danach habe ich Doerrs Geschichtensammlung - the shell collector gelesen, weil sonst gerade nichts im Haus war. Das Buch sieht sehr hübsch aus, erweist sich dann aber sofort als das krasse Gegenteil eines coffee-table books. Kurzgeschichten, in deren Zentrum Menschen mit besonderen Handycaps und besonderen Gaben stehen: Blinde, Taube, extremst Einsame, höchst Hellfühlige. Diese Menschen werden mit der Gewalt, der Schönheit, dem Frieden und der Fremdheit der Natur konfrontiert und verschmelzen mit ihr in aufregender Wucht.

Wenn die bescheuerten amerikanischen Wettangler in July, 4th am Ende, dem riesigen Karpfen, der ihnen den Sieg beschert hätte, dann doch nicht den Tod, sondern die Freiheit schenken, geht einem das Herz auf. Wenn der afrikanische Asylant in „the caretaker“ komplett entwurzelt und schuldbeladen die riesigen Herzen von fünf gestrandeten Walen in einer Grube im Wald begräbt, weil er in seiner Heimat einfach nichts begraben konnte, heult man Rotz und Wasser. Doerrs Figuren vergisst man nicht.

Ich habe Doerrs Bücher auf Englisch gelesen – Das ist anstrengend, aber auch schön. Ich las langsamer, mein kleines Schnecken-Gemüt hatte Zeit zu verdauen und mein Angeber- Hirn sagte. „Endlich mal was Neues, baby!“ All the light we cannot see ist ins Deutsche übersetzt worden,- ich weiß aber nicht wie gut.

P:S.: Falls Sie lesen... kaufen Sie Ihre Bücher bitte ab sofort überhaupt nicht mehr bei Amazon. Kleine, feine Buchhandlungen werden sonst aussterben so wie der St. Helena Riesenohrwurm und Sie sind Schuld!

So und nun kochen wir was Schönes.

Cook

Februar und März sind die reine Zumutung! Es nieselt, verkleidete Betrunkene wanken durch die Stadt,die anderen sind sauer, weil kein Schnee fällt, außerdem erreicht die Auswahl an Gemüse ihren Jahrestiefpunkt! Ich sage all dem heute mal mit ORANGE den Kampf an!

Dafür bringe ich mich zunächst mit etwas Rentner-Koks in Stimmung! Dazu kommt ein Stück Orangenschale, etwas Aperol und 1 Spritzer Zitronensa in ein Sektglas, dann etwas Zucker , ja es muss sein! Und obendrauf Chillikrümel. Das Ganze mit eiskaltem Sekt aufgießen. Wer über dem Glas einatmet, den haut es aus den Hausschuhen! Kohlensäure + Chilli – ergeben einen Flash, der den Februar praktisch ausradiert.

So. Nun brauchen wir etwas Erdendes. Ich hab noch irgendwo einen Hokkaido - Kürbis rumliegen. Finden Sie diese pampsigen Kürbissuppen auch so doof?! Eben! Deshalb versuchen wir heute auch, dem Kürbis in einem lauwarmen Kürbissalat neue Würde zu geben: Wir schneiden ihn in Spalten, werfen den Ofen an, breiten ein Backpapier auf ein Blech, die Kürbisspalten drauf, schneiden ein paar Streifen Lauch und legen sie zu den Kürbisspalten. Tymianzweige? Vertrocknet! Aus den Ferien! Drauf damit! Dann mit Olivenöl beträufeln und Salz drauf, nicht zu wenig, vielleicht Fleur de Sel. Ich grille die Spalten, so dass sie kross bräunen. In der Zwischenzeit gieße ich ein schönes Olivenöl in eine Schüssel. Preisge- krönt und günstig ist das von Joao Carvalho, er hat auch wunderbare Weine und Fleur de sel. (www.portugal-weinexperte.de)

Dann nehme ich eine große Bioorange und schäle mit einem Sparschäler ihre Haut ab, hacke sie mit einem schweren Messer zu feinen Stückchen, und ab ins Öl. Die Orange selber schäle ich und presse die Hälfte als Saft ins Öl und die andere Hälfte schneide ich in Stückchen, Streber können sie auch filetieren. Ich schäle eine reife!!!! Mango und schneide sie zu kleinen Würfeln und hopp ins Öl! Nun ein wenig Chili - getrockneter ist hier besser und Vanille! Ich mache es mir leicht mit Bourbon Vanille aus dem Reformhaus (Gewürzmühle Brecht, bio, hält ewig) Wenn der Kürbis, der Lauch und der ymian, kross sind, hole ich die Hälfte aus dem Ofen. (Der Rest dieselt noch etwas im Ofen nach, um dann morgen als Suppe mit indischem Curry und Kokosmilch wiedergeboren zu werden.) Ich schneide den warmen Kürbis in feine Spalten und mische alles zu einem schönen Orange zusammen. Fleur de Sel und geröstete Sesamkörner streue ich großzügig darüber. Und Februar! - wo ist dein Stachel....

Wenn Ihnen das zu vegan ist, oder wenn Sie nach dem Rentnerkoks Lust bekommen haben, Ihre Stirnhöhle noch mal zu grüßen, dann essen Sie vor dem Kürbis noch ein wenig geröstetes Graubrot mit geräuchertem Lachs mit ein paar Wasabitupfern drauf.

Rentner-Koks: Orangenschale, Aperol , Zitronensa , Zucker, Sekt oder Champagner, Chilli getrocknet

Kürbissalat: 1 Kürbis, Lauch, 1 reife Mango, 1 Bioorange, Olivenöl Vanille, Chilli, Fleur de Sel, gerösteter Sesam, Thymian

Lachsbrote: geräucherter Wildlachs, Graubrot, Wasabipaste

P.S: Seefisch essen ist nicht mehr in. Wenn Sie es nun aber doch tun, dann ignorieren Sie Hochmast-Zuchtlachse, auch die biologischen. Essen Sie einen guten Wildlachs, - und zwar auf den Knien! - mit Andacht, Demut und Freude. Der Wildlachs ist Tausende von Kilometern geschwommen, gegen den Strom, um in seinem Geburtsfluss zu laichen. Er hat unterwegs viele Krustentierchen gegessen, deshalb leuchtet er nun auch so wunderprachtorange! Bevor er ge-fangen wurde, hatte er im Gegensatz zu seinem Zuchtkollegen ein gutes, da menschenbefreites Leben. Das zeigt sich in seiner Aura. Bio ist er sowieso.

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