Book cook 03

Book & Cook - Ausgabe 3

Während andere ständig neue Erdteile entdecken oder mittags in Plastikkleidung mit dem Rennrad bergauf fahren, essen wir Pommes Schranke und lesen das schöne „Schloss aus Glas“.

Book

Vor ein paar Monaten habe ich „Ein ungezähmtes Leben“ von Jeanette Walls entdeckt, - einen Roman über ihre wilde, Rodeo reitende Großmutter Anfang des 20. Jahrhunderts. Nun möchte ich Ihnen ihr Buch: „the glass castle“ empfehlen. Ulrike Wasel und Klaus Timmermann haben es wunderbar vom Amerikanischen ins Deutsche übertragen, wenn Sie es nicht im Original lesen mögen. In Schloss aus Glas erzählt Jeanette Walls von ihrer eigenen Kindheit und beginnt so:

“Ich hatte schreckliche Angst, jemand könnte etwas über meine Eltern herausfinden, darüber, daß wir als Kinder in Pappkartons geschlafen und tagelang gehungert haben. Deshalb hab ich geschwiegen, - bis jetzt.“

Walls Biographie ist ein mitreißendes und erstaunlich humorvolles Buch: vier Kinder, - der Vater, ein charismatischer Träumer, Spieler und Säufer, der seinen Kindern zu Weihnachten Sterne schenkt und sie hungern lässt, - die Mutter - eine Künstlernatur, die ihren Lehrerjob hinwirft, um windschiefe Wüstenbäume zu malen.

Die chaotische, äußerst gebildete Familie ist praktisch ständig in schrottreifen Autos auf der Flucht vor Vaters Spiel – und Mietschulden.

Was als eine Reihe aufregender Abenteuer beginnt: „Kinder! Heute schlafen wir alle im Wüstensand ohne Kopfkissen, das machen die Indianer auch und schaut mal, was für eine tolle, gerade Haltung die haben!“,- wird zu eisigen Wintern, die die Familie ohne Heizung in Wintermänteln im Bett verbringt und bekommt schließlich ein bedrohliches Antlitz, als die Geschwister verzweifelt Schulmülltonnen auf der Suche nach irgendetwas Essbarem durchwühlen. So egoman und abstrus das Lebensmuster der Walls Eltern auch ist, immer wieder funkelt ihr anarchischer Witz und ihr durch nichts zu erschütternder Glaube an die Überlebenskraft ihrer Kinder durch.

Zutiefst berührend sind Walls´ Schilderungen der Solidarität der vier Geschwister unter diesen schwierigsten Bedingungen.

Beim Lesen hatte ich abwechselnd Angst um die Kinder, Wut auf die Eltern, und empfand schließlich nur noch Faszination angesichts dieser sechs außergewöhnlichen Schicksale.

Ein tolles Buch für unter- und überbehütete Kinder - ein MUST für Helikopter-Eltern.

Cook

Kennen Sie das? Man schaut einen Film. Der Held sitzt auf dem Sofa und isst „Pommes Schranke“ (rot-weiß) und man kann nur noch an eins denken: POMMES SCHRANKE!! DRINGEND SOFORT AUCH HABEN!

Leider ist keine Frittenbude in Rufweite, nicht mal eine staubige Fritteuse dämmert im Regal. Stoppen wir also den Film und schauen, wie sich solche Not wenden lässt. Wir werfen den Ofen an!

Ich nehme drei bis acht Kartoffeln, die ich wasche, aber nicht schäle. Kartoffeln schäle ich etwa genau so oft wie ich kalt dusche, also selten. Ich schneide die Kartoffeln in annähernde Pommesform. (Falls Sie in Freiburg wohnen und ein hammerscharfes, absolut bezahlbares Gemüsemesser suchen,- gehen Sie in den Asialaden am Hauptbahnhof! Ich hab danach alle meine alten, teuren Messer weggeschmissen.) Ich schütte Olivenöl darüber, salze kräftig, werfe getrocknete Rosmarinnadeln darüber und schiebe alles in den Ofen. Derweil mache ich eine Mayonnaise selber.

Bleiben Sie jetzt bitte stark und schielen Sie nicht nach dem alten Mayoglas von Thomy-hier- kommt- der- Genuß! Meine Mayonnaise gelingt wirklich immer!

Ich mische ein Eigelb, etwas Salz, einen Löffel Dijonsenf, ein wenig Limettensaft, eine halbe feingehackte Knoblauchzehe und feingehackten Estragon oder Dill, dann werfe ich den Quirl an und gieße langsam Öl dazu, ich nehme Olivenöl, das macht die Mayonnaise etwas herb, und der Estragon macht das Ganze dann hinreißend.

Es ist wahr, - vor allem getrockneter Estragon schmeckt, als äße man einen staubigen französischen Damenhandschuh, aber das ist ja das Tolle! Huch! Die Pommes sind schon fertig! Keine Zeit mehr das Rot der Schranke noch zu verwirklichen, dann werden es eben „Pommes Jungfer im Grün! Ich breite die heißen Pommes auf einen großen flachen Teller, auf den ich ein Töpfchen Mayonnaise zum Dippen tue und der Film kann weitergehen.

Jeglicher Fressneid ist von mir abgefallen! Ja! Ich fühle mich dem Helden mit meinen Pommes an ihrer Bio-Estragon-Mayonnaise jetzt extrem überlegen. Wenn ich gern Bier tränke, würde ich jetzt eins aufmachen. 

POMMES
Kartoffeln, Öl , Salz, getrockneter Rosmarin

MAYONNAISE
Eigelb, Senf, Salz , Öl, Zitronensaft, Knoblauch, Estragon oder Dill

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