Book cook 05

Book & Cook - Ausgabe 5

Während andere ihre Smartphones kneten als gäb es kein Morgen, nehmen wir einen pflaumenblauen Abschied vom Sommer und lernen Stewart o´ Nan kennen.

Book

Es gibt Erzähler, deren Tod trifft einen wie ein Stein an den Kopf. Bei Andre Kaminski ging es mir so und bei Urs Widmer. Wie konnten die nur so sauegoistisch sein, einfach zu sterben?! Ich wollte doch lebenslänglich in ihrem Humor und in ihrer Liebe baden, die sie an all ihre Geschöpfe verschwendeten.

Stewart O´Nan könnte so ein Erzähler werden, dessen Tod mich wie ein Stein treffen wird.- Zwar ist er 3 Jahre jünger als ich, aber er scheint gerne viel zu essen,- was sein Leben verkürzen könnte.

Eigentlich ist es immer der Erzählton, der mich an einen Autor bindet. 0´Nans Ton ist dicht und melancholisch. Seine Einfühlungsfähigkeit in Frauen, Männer, selbst Hunde ist atemberaubend, er bringt Wetter und Parkplätze, Landschaften und Einkaufszentren mit 3 Strichen zum Atmen. Wenn Sie englisch lesen, empfehle ich Ihnen:“city of secrets“.

City of secrets handelt von Brand, einem jungen Mann, der das Konzentrationslager überlebt, aber alle, die er liebte, verloren hat. Brand flieht 1945 nach Palästina, das unter dem Mandat der Briten steht und geht als Taxifahrer in Jerusalem in den jüdischen Untergrund.

Der sanfte und von seiner Vergangenheit gepeinigte Protagonist findet sich in einer Terrorzelle wieder, deren Aktionen gegen die Briten ihm komplett über den Kopf wachsen. Der spannende Plot ist unterfüttert mit Brands Liebe zu einer 10 Jahre älteren Prostituierten, die ebenfalls im Untergrund arbeitet und Brand jede Menge Rätsel aufgibt. Thriller und Liebesgeschichte, sehr schön erzählt! Man will das Buch nicht mehr weglegen und kann es an einem Wochenende bewältigen.

Wenn Sie O´Nan lieber in deutscher Übersetzung kennenlernen möchten, empfehle ich Ihnen „Chance“: Ein bankrottes amerikanisches Mittelklasse Ehepaar versucht seine marode Ehe und seine Finanzen an den Niagarafällen im Spielcasino zu kitten. 2 1/2 Tage im Hotel! Was sich dort an sehnsuchtsvollen und Nerv tötenden, halsbrecherischen und liebevollen Momenten zwischen den Eheleuten abspielt ist unglaublich spannend und für jeden, der sich je an einer längeren Beziehung versucht hat voller Wiedererkennungs-Ja-genau!

Cook

Ein pflaumenblauer Abschied vom Sommer

Radiccho mit Pfifferlingen, Walnüssen, einer Pflaumenvinaigrette und einem Chutney für später, wenn der Schneeregen fällt.

Chutney: Bei Chutneys kann man leider gar nichts falsch machen, dafür aber das Gaspedal gewürztechnisch voll durchtreten. Würzen Sie also bitte, wie Sie wollen, denn ich habe auch keine Ahnung! Was ich tue? Rote Frühlingszwiebeln kleinschneiden und in Ghee anbraten, ein Pfund Pflaumen, entsteint und halbiert dazugeben, 7 Essl. Zucker, eine Prise Salz, etwas getrockneten Chilli, etwas Vanillepulver, 1/2 Teel. Anissamen, 6 Wacholderbeeren, ½ Teel. Garam Masala Pulver auch noch. (Gut finde ich das G-M der Gewürzmühle Brecht, Reformhaus) Ein üppiger Schuß Essig - ich bin weder Essig-Fan noch Kenner und nehme Reisessig. Ich habe noch ganz hinten in meinem Schnapsschrank Raisine´gefunden, irgendwas Öliges und hineingekippt - hat nicht geschadet! Alles 15 Minuten köcheln lassen, bis die Pflaumen zerfallen. Das Ganze muß scharf sein und süß und sauer und pikant, sonst nachwürzen.

Den überschüssigen Saft gießen Sie in eine große Salatschüssel, den festeren Rest des Chutneys in ein heiß ausgespültes Schraubglas. Das Chutney schmeckt gut zu Ziegenkäse, indischen Currys, Schneeregen oder auch Wild, falls Sie aus Versehen Bambi überfahren.

Salat: Rote Zwiebeln in Ghee anbraten und 2 Hände voll kleingeschnittener Pfifferlinge dazugeben, kräftig salzen. Radicchio in 3cm breite Streifen schneiden, Basilikum zupfen,Walnusskerne grob brechen.

Vinaigrette: Auf dem Pflaumensud Ölivenöl, Salz,Dijonsenf und etwas Zitronensaft zu einer dunklen Vinaigrette aufschlagen.

Salat: Radicchio, Walnüsse und Basilikum, und zum Schluß die heißen Pilze darauf geben und sofort verspeisen!

Chutney: Pflaumen, Ghee, rote Zwiebeln, Essig, Salz, Zucker, Anis, Wacholder, Chilli, Vanille, Garam Masala

Salat: Radicchio, Basilikum, Pfifferlinge, rote Zwiebeln, Ghee, Walnusskerne

Vinaigrette: Pflaumensud, Salz, Olivenöl, Dijonsenf, Zitronensaft

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