Book cook 06

Book & Cook - Ausgabe 6

Während Jungmütter beim Joggen mit dem Doppelbuggy ihre Textnachrichten checken und ehrgeizzerfressene Rentner Herbstlaub mit Nordic-Walking-Stöcken perforieren, bleiben wir im Bett, lesen eine schöne Heine-Biographie und vertilgen ein Zitronenrisotto.

 

Book

Vielleicht öden Sie Biographien an, dann kochen Sie sich am besten gleich ein Risotto! Wenn nicht - probieren Sie die Heinrich Heine Biographie von Kerstin Decker. Sie heißt: Narr des Glücks.

Frau Decker kann schreiben!

Rüdiger Safranski ist ja schon toll, wenn man etwas über jemanden lesen will, den man sich im Original nicht zumuten mag - Goethe etwa - aber Frau Decker ist einfach viel toller!

Bei ihr verschmelzen Sachkenntnis, Mutterwitz und Einfühlungsfähigkeit zu purer Erzählkunst. Und plötzlich ist Heine nicht mehr Papier, sondern ganz nah:

Ein vierjähriges Kind, das seiner prügelnden Lehrerin Sand in die Schnupftabaksdose tut und ihr rundheraus erklärt, dass es sie hasst, ein Jude, der zum Christentum konvertiert und dem es dann doch leid tut, ein glühender Napoleonfan und feinnerviger Dichter, der einer dicken, analphabetischen Schuhverkäuferin erotisch verfällt, und sie auch noch heiratet! - ein hemmungslos egozentrischer Snob, der Kuchen liebt, Papageien vergiftet und seine Freunde tyrannisiert. Ein Todkranker schließlich, entstellt und gelähmt, der bis zur letzten Sekunde schreibt und junge Damen charmiert,- vierdimensional ist fast zu wenig.

Das Ganze ist so elegant komponiert, dass man wünscht, es ginge ewig so weiter! Ab Seite 400 ergreift einen Buchschlusspanik! Auf Seite 414 dann stirbt Heine. Und man bleibt zurück-auf turkey!

Kerstin Decker hat noch mehr geschrieben: Ich empfehle Ihnen nicht ihr zuletzt erschienenes Buch: Meine Farm in Afrika, aber wärmstens: Nietzsche und Wagner - Tannenzapfen vergolden mit Cosima! - hinreißend! Auch ihre Bücher über Else Lasker Schüler, über Paula Modersohn Becker, sowie über Lou Andreas Salome´ sind eine einzige geistreiche Wonne.

Man will tagelang im Bett bleiben und lesen, lesen, lesen! Menschen mit despotischem Überich bleibt hier nur die Krankschreibung. Und, wer weiß?! Vielleicht bringt ihnen dann sogar jemand ein Risotto ans Bett...

Cook

Dieses Risotto verstößt gegen tutte le risotto regole von Zia Maria! - Es schmeckt trotzdem recht gut.

Etwas Ghee in einen Topf geben, ¼ Lauchstange, - auch das Grün darf mitspielen!- in hauchzarte Ringe schneiden, im Ghee rösten, die Schale einer Zitrone abschälen und in feine Fäden schneiden und auch ins Ghee geben, ebenso einen Teelöffel voll getrockneter Rosmarinnadeln, den Risottoreis hinzufügen und mitbraten, dann mit dem Saft einer halben Zitrone ablöschen, und ein wenig getrockneten Chili dazugeben.

Kochen Sie etwas Gemüsebrühe (Ich benutze ohne schlechtes Gewissen fertige) und gießen Sie immer wieder etwas Brühe an, damit nichts ansetzt.

In der Zwischenzeit können Sie einen großen Berg Parmesan reiben für später. Angeblich hätten Sie den Parmesan schon während des Kochens ohn Unterlass in den Reis rühren müssen, aber dem verweigern wir uns heute.

Wenn das Risotto weich ist, gießen Sie - hier rollen sich Zia Maria die Zehennägel hoch!- ein wenig Kokosmilch an.

Tun Sie sich eine schöne Portion auf einen Teller und bestreuen Sie sie üppig mit Parmesan, etwas Ghee, und evtl. ein paar zusätzlichen Zitronenzesten.

Vielleicht haben Sie sogar Lust auf eine Deko aus halbierten Kapernfrüchten und frisch gezupftem Koriander. (Zia Maria schwingt jetzt Knoblauchzöpfe und droht mit dem Kruzifix!)

Schauen Sie, ob es Ihnen salzig genug ist, - nur ein ausreichend cremiges und salziges Risotto tröstet und stärkt. Essen Sie das Zitronenrisotto im Bett, während Sie endlich Heine verstehen.

Risotto  1 Biozitrone, ¼ Stange Lauch, Risottoreis, Ghee, Chilli, Salz, Rosmarinnadeln, Gemüsebrühe, Kokosmilch, Parmesan, KapernfrüchteKoriander

{{ message }}

{{ 'Comments are closed.' | trans }}