Book cook 18

Book & Cook - Ausgabe 18

Heute sammeln wir mit David Sedaris Müll auf britischen Landstraßen ein, danach kochen wir uns Spaghetti "nach Gitarrenart"!

Book

Kürzlich war ich bei David Sedaris´ Lesung im Freiburger Paulussaal.
Abwechselnd mit dem Schauspieler „Felix“, den der Verlag mit Sedaris auf Lesereise schickt, las der 62 jährige David Sedaris aus seinem neuen Buch: Calypso, hatte gute Laune und absolut hinreissende Sachen an: Shorts, die aus 2 Paar Shorts zusammengenäht waren, Clownsschuhe und einen aufregenden rosa Rüschenkragen, den ich ihm am liebsten sofort vom Hemd gerissen hätte, um ihn selbst zu tragen!

„Felix“ gelang an diesem Abend das Kunststück, jeden Satz von Sedaris so sinnlos zu zerhacken, dass alle Pointen krepierten. Es grenzte an literarischen Totschlag. Sedaris saß daneben und lächelte freundlich,- er ist des Deutschen nicht mächtig.

Wenn Sedaris selbst und auf Englisch las, kriegte Felix sehr schlechte Laune und schaute genervt in die Luft. Es war atemberaubend!
Am Schluss der Lesung bedankte Sedaris sich herzlich bei ihm und ging wohlgelaunt Bücher signieren und mit seinen Lesern flirten.
Ich dachte, so ist das bei Sedaris...

Er hat einen Großteil seines Lebens unter widrigen Umständen zugebracht, und nun lässt seine Glückshaut aus Freundlichkeit und anarchischer Neugier all die Felixe dieser Welt an ihm abperlen wie Wasser am Gefieder einer Ente!

- Nach Jahren in der Gosse lebt David Sedaris heute mit seinem Ehemann Hugh in einem englischen Landhaus aus dem 16. Jahrhundert – was ihn nicht daran hindert, mit Säcken auf britischen Landstrassen herumzurennen und akribisch und auch wütend Müll mit einer Greifzange aufzupicken.

Calypso ist ein typischer Sedaris! Einundzwanzig Miniaturen, die um ihn und um seine wahnsinnige Familie kreisen.

Wie immer gibt es Texte, die zum Brüllen komisch sind, so seine Shopping- Eskapaden mit seinen Schwestern in einem Comme des garcons-Laden in Tokio, aber auch Beklemmendes und Drastisches, wo man sich fragen könnte: Wirklich? Erzählt er uns hier wirklich, wie seine Schwester aussah, als man sie Tage nach ihrem Selbstmord mit einer Tüte über dem Kopf endlich fand?

Er tut es.
Auch das schwierige Verhältnis zu seinem Vater und die Alkoholsucht seiner Mutter beschreibt er in schonungsloser Offenheit, oder vielleicht einfach mit ehrlichem Interesse daran, wie es tatsächlich war.

Das ist Herz zerreißend und trotzdem oft einfach zum Wiehern.

Cook

Spaghetti auf Gitarrenart, Kompott und Polenta

Ich habe wie häufig nicht die geringste Lust einzukaufen und schaue, was ich aus meinen Vorräten noch Schönes machen kann. Eine Pasta, einen Griesspudding und ein Kompott! Pasta: Chitarra heißt in Sizilien ein eng mit Drähten bespannter Rahmen, mit dem früher Pasta geschnitten wurde. Das erinnert mich an die Eierschneider meiner Kindheit. In Ermangelung vernünftiger Computerspiele musizierte ich stundenlang auf ihnen.

So! „Spaghetti Chitarra“ ist eine preisgünstige Pasta, die toll schmeckt. Sie brauchen Brotbrösel! Die machen Sie am besten selber aus egal welchem Brot (anything but Pumpernickel goes!) Ich hatte altes Brot und hab es mit dem Pürierstab zertrümmert.
Sie kochen eine Pasta bissfest. Dann braten Sie gehackten Knoblauch in reichlich Olivenöl an, fügen die Brotbrösel hinzu, sowie etwas Chili, getrocknet, geriebene Zitronenschale. Die Nudeln in dem Brot- Öl Mix wenden, mit reichlich gehackter Petersilie bestreuen und genießen. Parmesan brauchen Sie nicht, das geröstete Brot gilt als Parmesan der Armen.

Nachtisch. Im Moment gibt es noch Pflaumen und ich koche sie wie verrückt für den Winter ein, weil da will ich es auch schön haben.
Ich bedecke reife Pflaumen mit Zucker, ein wenig Vanille, langen Zesten von Orangenschale und Kardamom, dazu streue ich jede Menge in der Pfanne angeröstete Mandeln in das Kompott und fülle alles in heiß ausgespülte Schraubgläser. Irgendwie werden die Mandeln ganz toll, bisschen weich, aber doch Biss.
Dazu mache ich einen süßen Polenta-Pudding, der geht rasend schnell. Ich erhitze Ghee, füge Kardamom, Rosinen, ein paar gehackte Mandeln, Orangenschale, Zucker und siehe! Orangenblütenwasser hinzu. Meistens bringt diese Essenz ein Gericht zum Kippen, hier kann man damit mal Gas geben! Polenta und kochendes Wasser darüber giessen, aufschlagen und in eine Puddingform geben. Ich habe so eine wie früher mit Rippen und wenn man die Polenta auf einen großen Teller stürzt, sieht sie allerliebst aus und man kann sich Scheiben davon abschneiden. Mit warmem Kompott schmeckt es am schönsten!

Spahetti: Spaghetti, altes Brot, Olivenöl, Zitronenschale, Chili, Knoblauch, Salz, Petersilie

Kompott: Pflaumen, Zucker, Orangenschale, Kardamom, geröstete Mandeln, Vanille

Polenta-Pudding: Polenta, Ghee, Orangenschale, Mandeln, Rosinen, Vanille, Kardamom, Orangenblütenwasser

Google Plus
{{ message }}

{{ 'Comments are closed.' | trans }}