Book & Cook 21

Book & Cook - Ausgabe 21

März. Wir essen Veilchenschokolade!  Und lesen fast was von Flaubert!

Book

Ich habe Flauberts Papagei von Julian Barnes gelesen. Ein, zweimal wollte ich das Buch in die Ecke pfeffern. Tun Sie es nicht! Es lohnt sich!

Wie die meisten, weiß ich nichts von Flaubert. Ich kenne seine Madame Bovary. Und gleich entfährt mir wieder der überflüssige Satz: „Stendhals Rot und Schwarz ist aber viel toller!“

Natürlich ist Rot und Schwarz toller! Aber ist das ein Grund, Flaubert zu ignorieren?! Nun, nach Barnes Buch, seh ich Gustave Flaubert vor mir, mit Schnauzbart und Glatze in seinem riesigen Arbeitszimmer in Croiset mit den 5 blitzenden Fenstern. Dem Zimmer, das keine seiner Geliebten jemals betreten durfte. Er sitzt auf seinem Eisbärenfell, draussen rauscht der normannische Regen und Flaubert hat eine geistreiche Sottise nach der andern abgefeuert auf Politik, Literaturkritik, die Ehe und was der Allgemeinheit sonst noch als wichtig verkauft wird.

Ich wünsche mir, er lebte noch ! Er könnte uns ein wenig Sauerstoff in die von Trump und Twitter verklebten Hirne blasen! Sein Portraitist Barnes ist ein Brite von profunder Flaubert-Kenntnis. Barnes eigenes schriftstellerisches Werk durchziehen Fragen. In dieser Hinsicht ist er ein Verwandter Flauberts.

Was ist Wirklichkeit?Was Kunst? Was ist Liebe? Wie sehr täuscht uns unsere Erinnerung? Imitiert das Leben die Kunst? Kann man einen Menschen jemals kennen? Und wer wäre dann ich?

Barnes umzingelt Flaubert wie der Eifersüchtige die Geliebte. Er will alles wissen über seine Arbeitsweise, seine politischen Ansichten, sein harmonisches Familien- und sein eigenwilliges Liebesleben. Hat ihn ein Papagei inspiriert? Und wo ist der jetzt?!

Am Schluß hält er wenig Gewisses in den Händen, aber seine Suche nach Flaubert hat uns für den Dichter eingenommen und die Lust entfacht, vielleicht selbst mal ein Zentimeterchen tiefer zu fragen,..zu denken.

Ich schließe mit Flaubert. „Ich habe immer versucht, in einem Elfenbeinturm zu leben, aber es brandet eine solche Flut von Scheiße gegen seine Mauern, das er einzustürzen droht.“

“Ich bin der geduldige Perlenfischer, der in tiefste Tiefen taucht und wieder hochkommt mit leeren Händen und blauem Gesicht. Ich werde mich damit vergnügen, auf dem Meeresgrund nach jenen grünen und gelben Muscheln zu tauchen, die keiner haben will. Die werde ich behalten und damit die Wände meiner Hütte schmücken...

Cook

März...Denke an Queen Mum...Liegt sicher an den Bitterstoffen...Die braucht man im Frühling.... QM wusste, wo es sie gibt: in ihrem  Lieblingsdrink, Gin Tonic.

Ich mache heute einen Tonic, der nicht aus Aromastoffen, Chinin und Zucker besteht, sondern aus echter Chinarinde, Zitrusfrüchten und viel weniger Zucker. Ich nehme: 6 Stängel Zitronengras, geschnitten, (Ich  haue vorher auf die Stängel mit dem Hammer, es macht einfach Spaß!) 2 Biozitronen, 1 Biolimette , ½ Orange (immer Saft und Schale), 1 Zimtstange, etwas Kardamom, 1 winzige getr. Chilischote,  1g Meersalz, 20g Zitronensäure, 15g Chinarinde (Apotheke oder www.dragonspice.de)

Ich koche die Gewürze in 1Liter Wasser, lasse das Ganze 20 Minuten simmern, füge 400g Zucker (oder Agavensirup) hinzu. Nochmal kurz aufkochen, durch einen Papierfilter seihen und in heiß ausgespülte Flaschen füllen. Der Tonic erhält durch die Chinarinde eine sehr hübsche Apricotfärbung. Ich verdünne ihn 1:4 mit lautem Mineralwasser, finde ihn köstlich und mich selbst potent!

Bitter, die Zweite! Salat: Große, große Schüsseln voll! Da jubelt die Leber! Das Bittere ist aus fast allen Salaten rausgezüchtet worden. Ich kombiniere Endivie, Frisee, Kresse, Rukola und toppe das Ganze mit dem wirklich saubitteren Radicchio rosso de Treviso. Den gibt es fast nur in italienischen Läden (z. B. „Sonnengereift“ oder Primo Market) Allein das wunderschöne Muster, wenn ich den Treviso aufschneide, entlockt mir jedes Mal ein Halleluja! Meine Salatsoße besteht aus Olivenöl, Zitrone, und Shoyu Sojasauce.Viel gerösteten Sesam darüber. Fertig!

Bitter Schokolade Jesus! Müssen wir jetzt auch noch unsere Schokolade selber machen?! Nö!

Aber wenn Sie nur ein klitzekleines Bißchen verspielt sind, dann wollen Sie diese luxuriösen Bitter-Schokodrops auch haben.

Sie schmelzen dunkle Schokoladenkuvertüre mit ein wenig Butter, legen ein Backblech mit Backpapier aus und löffeln kleine runde Kleckse der geschmolzenen Schokolade aufs Papier. Nun verzieren Sie: mit viel Anis und Fleur de Sel oder mit gehackten, gerösteten Haselnüssen oder mit rosa Pfeffer, mit gehackten Pistazien oder kandierten Veilchenblüten. Stellen sie das Backblech in den Tieffrierer. Nach fünf Minuten ist alles fest. Bewahren Sie die Drops im Kühlschrank auf. Schön zum Espresso oder zu Schwarzwälder-Kirscheis von Möwenpick: Ein bisschen Eis, ein wenig  Kirschkompott darauf und dann die Veilchen-Schokodrops...

{{ message }}

{{ 'Comments are closed.' | trans }}