Book & Cook 23

Book & Cook - Ausgabe 23

Mai. Wir backen uns ein Gewürzbrot und lernen Rachel Kushner kennen.- Denn Kushner is the new Black!

Book

The Mars Room und Telex aus Kuba, beide von Rachel Kushner.

Telex aus Kuba beschreibt, facetten- und kenntnisreich die 50er und 60er Jahre auf Kuba. Die Welt ist aus den Fugen! Die Brüder Fidel und Raul Castro vertreiben die amerikanische Bourgeoisie auf Kuba aus ihrer paradiesisch kolonialen Komfortzone!

Kushner erzählt farbenprächtig und aus der Sicht zweier amerikanischer Oberschichtkinder. Ihre Eltern betreiben ein Nickelwerk und eine Zuckerrohrplantage. Sie wachsen mit farbigem Personal auf. Die Männer, die für ihre Eltern in der Mine und auf den Zuckerrohr-Feldern schuften unterscheiden sich von Sklaven nur marginal. Der den Eltern selbstverständliche Rassismus vom weißen Amerikaner über Mulatten und Kubano bis hinunter zum Schwarzen ist für die Kinder nicht mehr schlüssig: Fabrikantentöchter knutschen mit kubanischen Dockarbeitern, die junge Everly ist verliebt in den schwarzen Gärtner ihrer Mutter und Fabrikantensohn D.C. schlägt sich auf die Seite der kubanischen Rebellen und fackelt die Zuckerrohrfelder seines Vaters ab.

Kushners Fähigkeit mit Witz und Lakonie die spannende und eher unbekannte Zeitgeschichte Kubas vor uns aufzurollen ist beeindruckend. Zu Herzen gehen die Momente, in denen Kushner die Zeit anhält: Dann schauen wir einer Prostituierten zu, wie sie stundenlang mit Tinte Netzstrümpfe auf ihre Beine malt, einem kleinen Mädchen aus einer lauten Familie, das sich in einem Eisenbahnwaggon verschanzt, um endlich seine Ruhe zu haben, einem Jungen, der in der Küche mit einem Besen tanzt, als sei der eine richtige Frau. In diesen stillen, unspektakulären Momenten fällt man tief hinein in Kushners Figuren - tatsächlich fällt man wohl in sich selbst hinein-tut man viel zu selten!

Zweiter Tipp: the Mars Room. Phantastisch recherchiert! Kushner kreiert einen aufwühlenden, spannenden und essentiellen Roman, um das heutige Amerika zu verstehen. Er beschreibt den Alltag eines kalifornischen Frauengefängnisses aus der Sicht einer jungen, intelligenten Frau, die zwei mal lebenslänglich absitzt, weil sie arm ist, sich keinen Anwalt leisten konnte und ihren Stalker umgebracht hat. Zu erleben, wie die Insassinnen- meist selbst Opfer von Gewalt und Missbrauch in diesem Entwürdigungsapparat jede Minute ihres Daseins mit bloßem Überlebenskampf zubringen ist aufrüttelnd und zum Heulen.- Und weil Rachel Kushner es geschrieben hat auch oft zum Lachen.Wenn Sie Orange is the new Black gesehen haben..

Tja! Das hier ist eine ganz andere Liga!

Cook

Kürzlich war ich in Hamburg im israelisch inspirierten Restaurant NENI. Zum Auftakt gab es eine köstliche kleine Speise: geröstetes Brot, Oliven, Olivenöl, ein Sesam öffne Dich-Würzpulver und Schafsjoghurt.

Mein Sesamwürzpulver geht so: Ich püriere grobes Salz- nicht so viel,- mit viel geröstetem Sesam, Zimt, rosa Pfeffer, gemahlenem Koriander, schwarzem Sesam, wenig Chili und relativ viel Kümmel. (Kreuzkümmel wäre hier wahrscheinlich am Platz, erinnert mich aber an den Achselgeruch alter Männer, daher ungekreuzigter Kümmel) Am Schluss füge ich noch ungemahlenen gerösteten Sesam dazu und streue das Pulver über den grosszügig mit Olivenöl besprenkelten Schafsjoghurt.

Diese Würze ist auch köstlich über Ofengemüse, besonders Karotten und rote Beete oder in und über Humus.

Dazu kommen Oliven,-am besten passen hier schwere Kalamata-Oliven und geröstetes Brot. Mein Sauerteigbrot Dealer hat aufgehört, zu backen, seither backe ich öfter mal ein Gewürzbrot: Es geht so: Zunächst! Ich kann nicht backen! Gar nicht! Aber dieses Brot gelingt selbst mir!

Ich nehme ein Kilo biologisches Dinkelvollkornmehl,- (funktioniert auch mit Weizenmehl) schütte 2 Päckchen Trockenhefe hinein, mische beides. Ich schütte langsam handwarmes Wasser an die Hefemehlmischung, während ich alles mit einem Quirl mit Knethaken zu einem schweren Teig verarbeite. Streber machen das auch von Hand, aber ich will´s schön haben! Ich füge Salz hinzu, ca 2 Teel. für 1kg Mehl. Nun kommen die Gewürze! Alles ungemahlen! Koriander! Viel! Kümmel, Anis, Kardamom! Holen Sie den eher trockenen Teig aus der Rührschüssel und kneten Sie ihn ein paar Minuten. Das fühlt sich geschmeidig und wunderbar an. Nun zurück in die Schüssel, Handtuch darüber und im warmen Herd gehen lassen bis er die doppelte Größe erreicht hat. Ich öle einen großen Bräter ein, denn ich habe keine Backform. Knete den gegangenen Teig nochmal, dabei fällt er wieder etwas in sich zusammen.- Ab in den Bräter! Ich lasse den Teig nochmal zugedeckt eine Stunde gehen, ritze ein Rautenmuster in die Oberseite, lege den Deckel des Bräters auf und heize den Herd auf 200 Grad, nach 20 Minuten nehme ich den Deckel ab, schütte etwas Wasser auf ein Blech im Ofen. Nochmal 15 Minuten später hol ich das Brot aus dem Bräter, damit es von allen Seiten bräunen kann. Fertig ist es, wenn an einem Holzspieß nichts mehr kleben bleibt. Brotscheiben in der Pfanne toasten und heiß zum Joghurt-Olivenmahl servieren.

P.S. Ich finde, man kann Brot in Scheiben einfrieren und sich dann immer mal eine Portion pfannenrösten.

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