Book & Cook 20

Book & Cook - Ausgabe 20

Februargrau. Wolken. Betrunkene Narren.
Wir bleiben daheim, lesen „Smith“ und „Barry“, braten uns Avocado-Rolls und dippen sie in süß-scharfe Sauce. Danach füttern wir hier gebliebene Meisen.

Book

Ali Smith: Winter

Erzählte mir jemand den Plot von Winter,...ich würde dieses zauberhafte Buch vielleicht nicht lesen wollen. Tatsächlich aber knipse ich mehrmals in der Nacht das Licht wieder an, weil ich wissen will wie es weitergeht.

Ali Smith hält nicht mit dem Spannungsbogen einer Geschichte bei der Stange, sie entfacht die Lust, mit ihr Zeit zu verbringen, ihre eigenwilligen Gedanken zu teilen, mit ihr Schneeflocken zu betrachten, zu schauen, wie raffiniert sie Kunstwerke oder literarische Figuren in neuem Wintergewand auferstehen lässt, wie sie vom Dunkelsten ins Hellste springt;- durch Fremdenhass und Brexit zu Dickens, von dort in moderne, dysfunktionale Familien, wo der digitale Junkie sich zur Weihnachtszeit an einer Topfmagnolie weidet....
Auch im 2. Teil ihres Quartetts (1.Teil:“autumn“) stellt Ali Smith dem populistischen Rechtsruck und der in sozialen Netzwerken gepflegten Ärger- und Überwachungskultur in England und dem Rest der Welt humorvoll und eigenwillig Kunst, Schönheit und Freundlichkeit gegenüber.

Es ist alles da. Gleichzeitig.
Intoleranz und Schönheit. Gewalt und Kultiviertheit.

Wenn man Ali Smith liest, bekommt man das Gefühl, man könne sich noch entscheiden. So wie die Dinge stehen, ist das eine wunderbare Nachricht!

Sebastian Barry: Days without end

Eine Geschichte über ein männliches Liebespaar im 19. Jahrhundert. Als Teenager singen und tanzen sie als Frauen verkleidet für amerikanische Siedler in einem Saloon in Missouri. Als junge Männer kämpfen sie im amerikanischen Bürgerkrieg und gegen Indianer. Schliesslich nehmen sie ein Indianermädchen an Kindesstatt an, für das sie bereit sind, alles zu geben.

Der Zauber von Sebastian Barrys Buch liegt neben seinen eigenwilligen Hauptfiguren in seiner Sprache. Barry führt seine Leser in wunderschöner Bildersprache durch Cluster existentieller Nöte seiner Helden: Hunger, Kälte, Armut, Krieg. Wie wird er das jetzt beschreiben? fragt man sich und dann erfindet Barry ein Bild, das zutiefst einleuchtet und das man zugleich noch nie gesehen / gelesen hat.

Weil mich Beschreibungen von Schlachten überfordern oder langweilen oder beides, hab ich in der Mitte des Romans ein wenig quergelesen. Am Ende wird es auch für Zartbesaitete wieder toll.

Für die andern ist es wahrscheinlich immer toll.

Cook

Bin immer noch am intervallfasten und starte mit einem Mehrgänger gegen 12 Uhr in den Tag. Zum Ausgleich habe ich jegliche Bewegung eingestellt! Allerdings, seit ich weiß, wie unglaublich dick unordentliche Küchen machen, räume ich auf und putze! Trotzdem! Bin perplex, wie verboten meine Küche seit gestern schon wieder aussieht! Offensichtlich lasse ich ständig was fallen, marschiere mitten durch den Unrat, um ihn dann wie ein Missionar seinen Glauben in entfernte Winkel meiner Wohnung zu tragen! Ob ordentliche Küchen Korpulenz auch verhindern, wenn „Personal“ die Küche putzt? Da fällt mir ein, wie das mit mir und Personal immer geht: Wir verbringen 2 Stunden bei Kuchen, analysieren das Weltgeschehen, dann muß die Fachkraft gehen, weil sie einen Termin bei Arbeitgebern hat, die erwarten, dass sie tatsächlich in echt putzt.

12 Uhr! Es kann losgehen. Ich hab gestern fertige Yufka gekauft. Die fülle ich mit einer Avocadocreme, sprenkle sie mit Karotten und Pecorino und dippe die Rolls in einen süß-scharfen Dip.

Man könnte zum Dippen eine fertige, vietnamesische Chili-Sauce nehmen, aber ich mach sie lieber selber. Sie hält ewig und peppt auch lahme Reisgerichte auf.

Dip: 7 Essl. Zucker, ¼ Liter Wasser, 1 Teel. Aniskörner, 3 rote frische Chilischoten, ½ Zehe Knoblauch 1 Schuß Zitronensaft und 2 Kaffirlimettenblätter aufkochen, 10 Minuten simmern lassen, pürieren und durch 1 Sieb in eine Flasche füllen.

Avocadocreme: Ich nehme pro Person 1 reife Avokado, püriere sie mit Zitronensaft, ¼ Knoblauchzehe, etwas Petersilie und Chili.

Außerdem: pro Person 1 Möhre und etwas Pecorino reiben, gerösteten Sesam bereithalten! Yufka in einer heißen Teflonpfanne in etwas Ghee aufbacken, wenden, mit Avokadocreme bestreichen, Möhrensalat, Käse und Sesam darüber streuen und in der Pfanne aufrollen und knusprig braten, halbieren. In den scharfen Dip tauchen, glücklich sein. Zum Nachtisch: ein paar frische Litschis.

Chili-Dip: 7 Essl. Zucker, ¼ Liter Wasser, 1 Teel. Anis, 3 rote Chilischotern, ½ Zehe Knoblauch, 1 Schuß Zitronensaft, 2 Kaffirlimetten-Blätter

Avokadocreme: Ich nehme pro Person 1 reife Avokado, püriere sie mit Zitronensaft, ¼ Knoblauchzehe, etwas Petersilie und Chili.

Yufkas (Fertigprodukt,) Ghee

Außerdem : Möhren und Hartkäse, gerösteter Sesam

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