Book & Cook 22

Book & Cook - Ausgabe 22

4. April - Schnee fällt in die Kronen blühender Kirschen. Wir bleiben drin, kandieren die letzten Orangen und lernen Donal Ryan kennen...

Book

Donal Ryan: From a low and quiet sea

Ein schönes, kleines und tiefes Buch - was immer das auch sein mag. Der Ire Donal Ryan entwirft in From a low and quiet sea drei voneinander komplett unabhängige Erzählungen, die er am Schluss flugs zu einem überraschenden und erschütternden Geflecht zusammenknotet.

Da ist Farouk, der syrische Arzt und Familienvater, der seine Flucht nach Europa plant. Dann Lampy ein irisches Landei, ohne Vater aufgewachsen, das in einem Altenheim arbeitet und an einer Pubertätsliebe zu zerbrechen scheint. Und schließlich John, ein Sohn im tiefen Schlagschatten seines toten Bruders, der später Lobbyist wird. Als sich John Mitte 40 zum 1.Mal verliebt und seine Liebe nicht erwidert wird, greift er zu drastischen Mitteln.

Ryans irische Figuren sprühen vor street credibility und tollen Fluchereien und sie bleiben bei einem, lange nachdem man sein Buch geschlossen hat. Schnell denkt man: Ich kenn den - oder jemanden, der genau so ist! Und man fragt sich, wie es Ryan gelingt, dass einen ein „Lampy“, eine so wenig intelligente Figur fesseln kann! Dass man über Witze lacht, die Lampy gefallen würden, doch einem ausserhalb von Ryans Buchstabenkosmos höchstens ein Augenrollen entlockten.

Joyce soll mal gesagt haben:„I never met a bore!“ Das trifft sicher auch auf Ryan zu. Seine Art zu blicken bringt auch graue Existenzen zum Leuchten.

Man wird von Ryan nicht in erster Linie in eine Geschichte hineingezogen, sondern in die Seelenkammern seiner Schattenpflanzen-Helden. Und da wohnt neben Eitelkeit und Wut, Sehnsucht, Humor, Poesie und Berührbarkeit. Auch wenn die Helden gleich wieder bekloppt handeln werden, wir sind nun auf ihrer Seite. Muß Literatur mehr leisten?

Im Hintergrund wetterleuchtet Irland mit seiner Geschichte voll Hungerkatastrophen und britischer Unterdrückung, mit seiner alles Leben überschattenden Macht der Kirche und der befreienden Kraft (oder auch fremdenfeindlichen Dumpfheit) der Pubs.

Irland hat überproportional viele wunderbare Schriftsteller und Humoristen hervorgebracht.: Colm Toibin, James Joyce, Oscar Wilde, Sebastian Barry. Donal Ryan mit den Stimmen seiner gebrochenen Helden gebührt sicher bald ein Platz in diesem Club.

Cook

Wir kandieren Orangen und tunken sie in dunkle Schokolade!

Diese hinreissend saftig-süße-bittere Schweinerei kriegen selbst Schweizer Pralineure selten so hin.

Sie brauchen: 2 große, makellose, unbehandelte Orangen, Zucker, dunkle Kuvertüre und Zeit!

Ich bin Fan der Orangen von „SONNENGEREIFT „in der Lorettostrasse. www.sonnengereift.com Nehmen Sie Navelorangen, es gibt sie nicht mehr lange!

Waschen Sie die Orangen, schneiden Sie sie in der Mitte durch und zerteilen Sie sie dann in 1cm dicke Scheiben, nicht dünner, sonst werden sie wie die gekauften! Deckel, Boden und Kerne der Orange kommen weg. Nehmen Sie einen nicht zu kleinen Topf und lösen Sie 150 g Zucker in ¼ Liter Wasser auf, kurz bevor es kocht, legen Sie die Orangenscheiben hinein und lassen das Ganze ½ Minute köcheln, vom Herd ziehen. Nicht umrühren! Schon gar nicht mit einer Gabel! Aber mit einem kleinen Teller beschweren, so dass alle Scheiben unter Sirup sind. Einen Tag lang ziehen lassen. Am nächsten Tag fügen Sie weitere 150g Zucker hinzu, kochen auf, lassen es wieder ½ Minute köcheln, vom Herd nehmen, 1 Tag lang ziehen lassen. Wiederholen Sie das Ganze bis Sie 600g Zucker verkocht haben. Das dauert 4 Tage. Nun geht’s zum Trocknen. Ich nehme die Scheiben einzeln mit 1 Pfannenwender aus dem Sirup, drücke mit einem 2. Pfannenwender dagegen, damit die Spalten möglichst wenig feucht auf einem mit Backpapier ausgeschlagenen Backblech landen. Ich stelle den Herd auf 80 Grad Umluft, schiebe das Blech in den Ofen, justiere einen Kochlöffel so in der Backofentür, dass sie einen Spalt aufsteht und tue andere enorm wichtige, unaufschiebbare Dinge!

Wenn die Spalten so trocken sind, dass sie nicht mehr kleben, schmelze ich Bitterkuvertüre, füge eine Miniprise Fleur de Sel hinzu und lasse die Masse ein bißchen abkühlen. Dann tauche ich die Orangen zur Hälfte in Schokolade, lasse alles kurz im Kühlschrank aushärten und bewahre die Schätze in großen Schraubgläsern, mit ein wenig Backpapier zum Trennen im Kühlschrank auf.

Falls Sie erwägen, diese Delikatesse zu verschenken...Tun Sie´s nicht! Außer der Beschenkte ist jemand, den Sie wirklich verehren!

Aus dem übriggebliebenen Sirup können Sie sich noch 2 Gläser Orangenmarmelade kochen! Fügen Sie keinerlei Zucker mehr hinzu, aber Orangensaft, ein paar gehackte Orangenschalenzesten, eine Spur Chili oder Orangenblütenwasser. Dicken Sie mit Agar Agar.

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