Book cook 16

Book & Cook - Ausgabe 16

We hit the road! Mit einem neuen Partner!- Ja! Er haart und muss häufig Pippi! Doch dafür kommt er aus Paris und kann schweigen - eine Wohltat! Bevor es losgeht, kochen wir mit einem Schuss Italianita unseren Kühlschrank leer. It´s a perfect day!

Book

Travels with Charley 

Ein intimes Reisebuch des Nobel- und Pulitzerpreisträgers John Steinbeck.

Steinbeck, der in den 50er Jahren fast ausschließlich in Europa lebte, hat aus Paris „Charley le Chien“ mitgebracht, einen cognacfarbenen Riesenpudel. Als Steinbeck, schon von einigen leichten Schlaganfällen gezeichnet, seine Frau fragt, ob sie ihm Charley auf eine dreimonatige Reise durch ein ihm fremd gewordenes Amerika mitgeben würde, ist sie begeistert: „ Charley kann Hilfe holen, wenn es Dir schlecht geht!“

„ Charley ist nicht Lassie!“ gibt der Gatte zurück, dann besteigen Herr und Hund „Rocinante“, Steinbecks selbstgebauten 4 Tonnen-Truck mit Kajüte.
Es ist 1960. Wahlkampf Kennedy/ Nixon. Steinbeck reist inkognito. Mit Charley auf dem Beifahrersitz bereist er fast 40 Staaten Amerikas.
Das Buch lebt von eindringlichen Landschaftsbeschreibungen, feinen Reflexionen über das Reisen und Begegnungen mit wortkargen, freundlichen, gebildeten, frustrierten oder rassistischen Amerikanern.
Der Süden, wo schwere Rassenunruhen toben, bildet den Höhe- und Wendepunkt von Steinbecks Reise. Was treibt weiße Südstaatler zu so viel Hass und Verachtung? Entsetzt will Steinbeck nur noch eins: nach Hause, zu seiner texanischen Ehefrau. 

….Pudel Charley hat in New York eine Freundin, eine winzige Dackel-Dame. Weder optisch noch ästhetisch sind der riesige Charley und sie ein vertretbares Paar und doch ganz Hingerissenheit.

Warum gelingt das Menschen nicht? 

John Steinbeck und Charley le Chien sind ein Paar auf Augenhöhe: zwei ältere Gentlemen, der eine etwas haariger als der andere, beide schon ein wenig gebrechlich, doch im Kern Abenteurer von ungebremster Neugier.
In liebenswertester Weise kennen und achten die beiden seelisch fein gestrickten Reisepartner die Verletzlichkeiten des andern,- das gibt dem Ganzen fast etwas Britisches.

Obwohl das Buch schon 60 Jahre alt ist, ist alles schon da: Fastfood, der Siegeszug des Plastik, die Freude an Waffen, die Verarmung großer Gesellschaftsschichten, Rassismus und mangelnde Bildung,- alles inmitten von atemberaubender Landschaft. Travels with Charley lebt - wie alle Bücher, die ich mag - nicht vom Plot allein, sondern von Steinbecks wunderbarem Blick und Erzählton: ehrlich, interessiert, voller Humor, Eleganz und Reife.
Ein Buch wie eine kleine Insel. Wunderbar!

Cook

Spinatknödelchen

Ich verreise! Doch zuvor muss ich den Kühlschrank leer kochen. Ja! Ich muss! Mein Vater hat 8 Jahre in einem sibirischen Gefangenenlager gehungert und seinen Kindern vermittelt, dass das verrotten lassen von Lebensmitteln Sünde ist, schlimmer als Bewirtungsbelege türken oder falsch herum in die Einbahnstraße fahren.

In meinem Kühlschrank rasten: ein altes Stück Pecorino, eine Tüte Spinat, 2 gekochte Pellkartoffeln, 1 Liter Milch und eine Zitrone. Daraus koche ich nun etwas, das so fluffig zart schmeckt wie Babyfüßchen sich anfühlen: Spinatknödelchen. Normale Menschen nehmen dazu altbackenem Brot, doch die haben keine Ahnung und erreichen nie diese babyfüsschenhafte Fluffigkeit!

Ricotta selber machen: Das tu ich aufgrund meines inneren Russland-Programms, meine Milch muß weg! Kaufen Sie Ricotta gern im Laden!
Ich koche einen Liter Milch, wenn die Milch im Topf steigt, schütte ich einen Schuss Zitronensaft ins Ganze und schon kollabiert die Milch in Molke und Ricotta. Alles durch ein Haarsieb gießen und den Ricotta in eine Schüssel tun.  Ich schäle die Pellkartoffeln und geselle sie zum Ricotta. Ich lasse den Spinat in einem heißen Topf ohne alles in sich zusammenfallen, dann hacke ich ihn gründlich, drücke ihn aus und füge ihn dem Kartoffel-Ricottamix hinzu. Nun vermenge ich alles zu einer Paste und würze sie: mit vielMuskatnuss, geriebener Zitronenschale, geriebenem Pecorino, Salz, ein wenig weichem Ghee und irgendwelchen getrockneten Kräutern, ich glaube Bohnenkraut...

Salzwasser erhitzen. Um die walnussgroßen Knödel zu formen, braucht es Mehl. Fügen Sie nur so viel hinzu, dass die Knödel auf einem Holzbrett nicht zerfließen; zu wenig Mehl und die Knödel werden zu Entengrütze, zu viel und das Ganze wird bombenfeste deutsche Kochkunst. Die Knödel ins Wasser gleiten und nur ziehen lassen. Nach 2 Minuten steigen sie freiwillig an die Oberfläche. Mit geriebenem Käse, Zitronensaft und – schale und Ghee würzen und dann verreisen! In die Marken! Dort heißen diese Knödel strozzapreti: Priesterwürger.

Knödel: Spinat, Kartoffeln, Ricotta, (oder Milch) Mehl, Ghee, Zitrone, Salz, Muskatnuss, Hartkäse, getrocknete Kräuter (z.B. Thymian)

 

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